Aufbruch Roman

Warum wir Geschichten über Aufbruch und Abenteuer brauchen

Es gibt Bücher, die man liest – und es gibt Bücher, die einen innerlich in Bewegung setzen, als hätte jemand eine Tür aufgestoßen. Wo das Paradies beginnt von Renata Petry gehört eindeutig zur zweiten Sorte: Es verspricht nicht Komfort, sondern Aufbruch – und trifft damit ein Urbedürfnis, das viele von uns gerade heute sehr gut kennen.

Denn Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, den eigenen Alltag hinter sich zu lassen? Nicht für ein Wochenende, nicht für eine harmlose Auszeit – sondern für etwas, das wirklich zählt. Genau hier setzt der Roman an. Im Jahr 1194 schwört der junge Kaufmann Jon Skata in einer Hafenschänke, bis zum Paradies zu reisen, um die Hand seiner Verlobten zu erhalten. Was wie ein übermütiges Gelöbnis klingt, wird schnell zu einer Reise, die alles fordert: Mut, Loyalität, Vertrauen – und den Willen, weiterzugehen, auch wenn der Weg gefährlich wird.

Das erste Urbedürfnis: Aufbruch – weil Stillstand nicht trägt

Jon Skata – Aufbruch ins Ungewisse

Das zentrale Versprechen dieses historischen Abenteuerromans ist Bewegung. Man spürt es in jeder Etappe: von Gotland über Regensburg und Venedig bis hin nach Akkon, Antiochia und schließlich Richtung Mesopotamien. Wer das liest, bekommt das Gefühl von Wind im Gesicht, knirschendem Kies unter den Stiefeln und dem leisen Knoten im Magen, wenn man nicht weiß, was hinter der nächsten Wegbiegung wartet. Es ist diese elementare Lust am Unterwegssein, die uns als Menschen seit jeher begleitet – ein inneres „Geh!“, das sich manchmal erst meldet, wenn man lange genug sitzen musste.

Im Autoreninterview mit dem Verleger wird genau dieses Prinzip sehr klar. Renata Petry sagt: „Obgleich Aufbruch stets Veränderung beinhaltet, also die Aufgabe des Sicheren zugunsten des Unsicheren, glaube ich, dass Stillstand – also das Bewahren des Status quo – noch nie eine echte Option war.“ Dieser Satz trifft nicht nur die Denkweise des Mittelalters, sondern auch einen Nerv unserer Zeit. Der Roman wirkt deshalb so stark, weil er dieses Urmotiv nicht erklärt, sondern fühlbar macht: Man reist mit, man zittert mit, man will weiter.

Das zweite Urbedürfnis: Sinn – eine Welt, in der Wege Bedeutung haben

Ein weiteres tiefes Bedürfnis, das „Wo das Paradies beginnt“ bedient, ist die Sehnsucht nach Sinn. Nicht als philosophisches Konzept, sondern als etwas Greifbares: Karten, Flüsse, Zeichen, Versprechen. Im Mittelalter war die Welt nicht nur groß, sie war auch lesbar – man glaubte, dass Orte Bedeutungen tragen und dass das Paradies tatsächlich verortbar sei, am Ursprung von Euphrat und Tigris. Genau diese Vorstellung verleiht der Geschichte eine besondere Spannung: Es geht nicht um „irgendein Ziel“, sondern um den Ort, an dem die Welt einmal angefangen haben könnte.

Und genau deshalb wird die Reise automatisch mehr als Geografie. Zwischen Häfen, Klöstern und Handelswegen entsteht eine zweite Ebene: die Frage, wofür man überhaupt losgeht. Der Roman verkauft nicht „Ankunft“, sondern das Versprechen der Reise – die Hoffnung, dass die Welt größer ist als das eigene Hafenbecken und dass man einer Spur folgen kann, ohne sich dafür zu schämen. Wer sich nach Sinnsuche in Literatur sehnt, bekommt hier nicht Belehrung, sondern Abenteuer als Antwort.

Das dritte Urbedürfnis: Emotionale Wahrhaftigkeit – Gefühle, die Gewicht haben

Was viele Leser an modernen Geschichten ermüdet, ist der Reflex, alles zu relativieren: Liebe wird ironisch gebrochen, Loyalität als Naivität abgetan, Ernsthaftigkeit sofort mit einem Augenzwinkern entschärft. „Wo das Paradies beginnt“ geht einen anderen Weg. Hier dürfen Gefühle wieder Gewicht haben. Jon schwört aus Liebe, aber auch aus Stolz. Matti kämpft um Selbstbestimmung. Palu wird widerwillig mitgerissen und wächst an dem, was er eigentlich vermeiden wollte. Das ist nicht kitschig, sondern überraschend tröstlich: eine Welt, in der Entscheidungen Konsequenzen haben – und genau deshalb bedeutsam sind.

Wenn Sie zuerst die Figurenseite kennenlernen möchten, lohnt sich auch der Beitrag über Jon Skata als Romanfigur. Denn gerade über ihn wird dieses emotionale Versprechen spürbar: Er ist kein makelloser Held, sondern ein Mensch, der unterwegs lernt, wofür er stehen will.

Warum uns das heute so trifft: Fernweh, Freiheit und ein klares „Ja“

Buchcover: Wo das Paradies beginnt

Vielleicht liegt die besondere Kraft dieses Romans darin, dass er alte Themen ohne Staub erzählt. Es ist ein Sehnsuchtsstoff: Aufbruch, Bewährung, Gefahr, Liebe – aber auch die leise, moderne Frage nach Freiheit. Was will ich selbst entscheiden? Was lasse ich mir aufdrücken? Und was bin ich bereit zu riskieren, um nicht in einem Leben zu landen, das sich fremd anfühlt?

Genau deshalb ist „Wo das Paradies beginnt“ mehr als ein historischer Roman über das Mittelalter. Er ist ein Abenteuerroman, der in uns etwas weckt: den Wunsch, wieder an Bedeutung zu glauben – und daran, dass man manchmal nur ein einziges ehrliches „Ja“ braucht, um die eigene Geschichte zu beginnen. Und das gelingt, weil Renata Petry ihre Figuren nicht ausstellt, sondern begleitet – mit Wärme, Tempo und einem Gespür für das, was Leser wirklich suchen. Renata Petry heißt die Autorin, die dieses Urbedürfnis in eine packende Reise verwandelt.

Hinweis: Das Buch ist als gedruckte, also kartonierte Ausgabe (ISBN 978-3-910347-85-4) und als EPUB (ISBN 978-3-910347-86-1) im Buchhandel oder hier im Verlagsshop erhältlich.

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